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Aktuelle Pressemitteilung der KfW

 

KfW: Fast jeder vierte Gründer hat einen Migrationshintergrund


Migranten beleben Gründungsgeschehen in Deutschland
Vergleichsweise häufig setzen sie innovative Geschäftsideen um
Gründer mit Migrationshintergrund stoßen häufiger auf Probleme bei der externen Finanzierung


184.000 Personen und damit etwas weniger als ein Viertel aller Menschen, die sich in Deutschland im Jahr 2011 selbstständig gemacht haben, hatte einen Migrationshintergrund (22 %). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Gründer mit Migrationshintergrund um 15 % gestiegen, bei einem generellen Rückgang der Gründerzahl um 11 %. Treiber des Anstiegs waren selbstständige Nicht-EU-Ausländer (+31 %). Dies ist ein zentrales Ergebnis der Sonderauswertung des KfW Gründungsmonitors 2012.

 

„Viele Migranten, insbesondere wenn sie über keinen in Deutschland anerkannten Bildungs- und Berufsabschluss verfügen, konnten offenbar nicht in gleichem Maße von den guten Arbeitsmarktbedingungen profitierten wie deutsche Gründer“, sagt Dr. Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin bei der KfW Bankengruppe. „Sie lassen sich aber nicht entmutigen, sondern nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Dadurch wird das Gründergeschehen hierzulande deutlich belebt“, sagt Dr. Tchouvakhina.

In ihren Gründungsvorhaben unterscheiden sich Migranten und Deutsche nur geringfügig. So gründen Migranten etwas häufiger im Team als deutsche Gründer (26 % vs 19 %) und stellen deutlich öfter zu Beginn der Selbstständigkeit schon Mitarbeiter ein (48 % vs. 27 %), die zu 35 % aus dem eigenen familiären Umkreis stammen (Deutsche 30 %). Gründer mit Migrationshintergrund bieten am häufigsten mit ihrem Unternehmen persönliche Dienstleistungen an (35 %; z. B. Friseure, Kosmetiksalons, Fotografen oder DJ’s) an (ebenfalls Spitzenposition bei deutschen Start ups: 30 %).

 

Ein Unterschied ist allerdings auffällig: Unter den Gründern mit Migrationshintergrund sind vergleichsweise häufig Personen zu finden, die als ihr Hauptmotiv für den Start angeben, eine – oft innovative – Geschäftsidee umzusetzen, und von Beginn an Mitarbeiter beschäftigen: Im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 liegt der Anteil dieser sogenannten Entrepreneure bei den Gründern mit Migrationshintergrund bei 24 % Prozent, bei Deutschen hingegen lediglich bei 11 %. „Entrepreneure sind in der Regel deutlich erfolgreicher als andere Gründungen. Sie geben wichtige Impulse für unsere Volkswirtschaft“, sagt Dr. Tchouvakhina.

 

Der Blick auf die Datenlage der Jahre 2008 bis 2011 zeigt, dass knapp ein Viertel aller Gründungen mit Migrationshintergrund durch Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit vollzogen werden; fast jeder Zehnte kommt aus Russland. Mit Anteilen von jeweils 4-5 % sind Österreicher, Polen, Italiener und Griechen die nächst größeren Gruppen. „Die Zuwanderung aus EU-Ländern, die von der Finanz- und Schuldenkrise schwer betroffen sind, hat sich im Jahr 2011 deutlich erhöht: Allein aus Griechenland kamen etwa 90 % mehr Einwanderer, 52 % mehr aus Spanien. Wir erwarten in den kommenden Jahren einen Anstieg der Gründungen durch diese Gruppen“, sagt Dr. Tchouvakhina.

 

Für die Umsetzung ihres Gründungsvorhabens setzen Migranten etwas seltener finanzielle Mittel ein als Deutsche (70 % vs. 67 %) und benötigen in diesem Fall etwas häufiger externe Kapitalgeber (41 % vs. 33 %). 24 % von ihnen - und somit fast doppelt so häufig wie deutsche Gründer - stoßen dabei jedoch auf Schwierigkeiten: „Insbesondere bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus verstärken sich die strukturellen Nachteile von Gründern beim Zugang zu Finanzmitteln. Hinzu mögen nicht anerkannte Bildungs- und Berufsabschlüsse kommen, was die externen Kapitalgeber verständlicherweise restriktiver agieren lässt“, sagt Dr. Tchouvakhina.